Erlebte Geschichte

16. 06. 22
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Der Klasse 10A bot sich die einmalige Gelegenheit, Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „begegnen“ zu können.

Es ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr so einfach, den Geschehnisse, die über 70 Jahre zurückliegen, unmittelbar nahe zu kommen. Die Zeugen dieser Zeit verschwinden nach und nach.
Vom 30. bis 31. Mai 2016 setzten sich die Schüler in Begleitung von Frau Evert, Frau Bull und Herrn Sasse mit dem historischen Ort des Konzentrationslagers Ravensbrück auseinander. Die Nähe zu Waren und die besondere Rolle des KZ Ravensbrück als größtes ehemaliges Frauen-KZ in Deutschland machten den Besuch wertvoll. Darüber hinaus hatten die Schüler die einmalige Chance, eine Überlebende und Zeitzeugin zu treffen. Die 91-jährige Batsheva Dagan war für dieses Projekt aus Israel angereist und war nach mehreren Stationen (u.a. in Auschwitz) 1945 nach Ravensbrück gebracht worden. Organisiert wurde dieses zweitägige Projekt freundlicherweise von der Verwaltung des Landtages Mecklenburg-Vorpommern in Person von Frau Richter. Der Landtagspräsidentin Frau Bretschneider lag diese Begegnung sehr am Herzen und sie begleitete ebenfalls die Gesprächsrunden. Allen Beteiligten sprechen wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für das Zustandekommen dieses Projektes aus.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Vergangenheit. Frau Dagan erzählte von ihrer Kindheit, ihrer Familie und ihrem Leidensweg von Treblinka über Schwerin nach Auschwitz und Ravensbrück. Zwischendurch konnten die Schüler ihre eigenen Fragen stellen und Frau Dagan nahm sich gerne dafür Zeit. Wichtige Themen waren Hass, Freundschaft, Hunger oder Angst. Besonders berührend waren die persönlichen Gedichte, mit denen sie versuchte, dieses Erlebte zu beschreiben. Die Schüler erhielten dann auch die Gelegenheit, zunächst geführt und dann selbstständig, den Ort kennenzulernen und damit auch weitere Vorstellungen zu erlangen, welches Schicksal hier den Häftlingen widerfahren ist. Die Frage nach dem „was bleibt?“ bestimmte den zweiten Tag. Frau Dagan versucht schon seit Jahren als Kinderbuchautorin und Psychologin auch kleinen Kindern das Thema Judenverfolgung nahe zu bringen. So ist auch ein Trickfilm über den Jungen Mikash und seine Hündin Chika entstanden, der den Schülern vorgeführt wurde. In der weiteren Diskussion wurde immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass dieses Kapitel deutscher Geschichte nicht vergessen werden darf und durch die kommenden Generationen weiter getragen werden muss. Dies betonte auch Frau Bretschneider, die mehrmals die aktuellen politischen Entwicklungen hervorhob.

Den Abschluss bildete eine Gedenkzeremonie aller Beteiligter. Am Mahnmal der Opfer wurde durch die Schüler ein Kranz niedergelegt und jeder erhielt die Möglichkeit persönlich der Opfer zu gedenken. Dies war für alle ein sehr emotionaler Moment.