Teil 1

10./11. September

5:35 Uhr brechen wir auf dem Bahnhof Waren Richtung Berlin-Tegel auf.

Wir – das sind Lisa, Pascal und Sascha aus Klasse 11, Kameramann Carsten Büttner, Medienpädagogin Frau Schmidt von der Medienwerkstatt RAAbatz und Frau Dr. Rother als Projektleiterin.Wir müssen gar nicht so lange warten. 9:25 Uhr stehen Susan Rhyne und Maggie vor uns: von Jetlag keine Spur! Die Begrüßung ist herzlich, unsere Rosen öffnen Herzen: Sascha und Pascal erweisen sich auch sonst als Gentlemanlike, schließlich gab es schwere Koffer zu tragen. Und die Verständigung ist kein Problem.  Gegen Mittag sind wir in Waren. Gleich am Bahnhof ist der 1. Besichtigungspunkt: die Stolpersteine in der Nähe des  Wohnhauses von Familie Jacob. Alle 3 Kinder dieser Familie – Cousins und Cousine von Gerda Loewenberg - sind Schüler unserer Schule gewesen. Wir betrachten die Stolpersteine, die Pascal und Max vor wenigen Tagen noch einmal geputzt hatten: Von 5 Familienmitgliedern haben nur 2 überlebt. Susan hatte sie vor einigen Jahrzehnten einmal in London und in Chicago getroffen. Der Holocaust war dabei kein Thema gewesen. Dann ging es zum Hotel am Neuen Markt. Vom Balkon aus kann Susan auf das Haus ihrer Vorfahren schauen…

Donnerstag, 11. September

Vormittags steht eine erste Gesprächsrunde mit unserer Projektgruppe in der Schule auf dem Programm. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter Herrn Behrns äußern die Schüler Erwartungen an Susans und Maggies Besuch, und Susan beantwortet Fragen schon jetzt sehr, sehr eindrücklich. Sie sei nur aus dem Grund gekommen, weil die Schüler sie eingeladen hätten und ein solches Interesse an diesem Thema zeigten. Dann öffnen wir für Susan den größten Schatz unserer Schule: die historische Gymnasialbibliothek. Frau Dolata, Lehrerin für Geschichte und Kunst, hatte besondere Bücherausgaben und andere wichtige Unterlagen herausgesucht, die im Zusammenhang mit den Löwenbergs stehen und die auch über unser Gymnasium während der Nazizeit Auskunft gaben. Außerdem zeigten wir Gerda Loewenbergs Abgangszeugnis und andere Unterlagen aus dem Schularchiv. Und immer wieder ergaben sich daraus bewegende Gespräche. Leider war zu wenig Zeit. Nächster Programmpunkt:  Im einstigen Haus der Familie Loewenberg wurden wir mit Sekt begrüßt, Susan bekam einen Blumenstrauß, über den sie sich wieder genauso wie über die Rosen freute, und wir erhielten alle ein tolles Mittagessen von der Familie Dinh. Und Susan durfte einen Blick in das Haus werfen und sogar in eine Wohnung. Es hat sie so gefreut und bewegt. 14:00 Uhr hatten der Bürgermeister und Landrat zu einem Empfang ins Historische Rathaus geladen. Nele, Katharina, Max und Justus umrahmten mit Mozart-Quartettmusik die feierliche Veranstaltung. Frau Dr. Rother stellte das Projekt vor. Susans bewegende Worte endeten damit, dass es wichtig sei zu erinnern und nicht zu hassen. Dann trugen sich Susan und ihre Cousine ins Goldene Buch der Stadt ein, und es gab Geschenke und wieder Blumen. Wir blieben dann noch ziemlich lang im Rathaussaal zusammen. Denn es ergaben sich viele zwanglose Gespräche zwischen den Schülern und den Gästen. Herr Kniesz zeigte auch interessante Unterlagen aus dem Stadtgeschichtlichen Museum - historische Fotos, eine alte Landkarte, auf dem der Jüdische Friedhof eingezeichnet ist - und aus dem Standesamt: aufgeschlagen war Gerda Löwenbergs Geburtsurkunde mit dem grässlichen Eintrag vom 16.01.1939, dass Gerdas Eltern ab jetzt als weitere Vornamen „Israel“ bzw. „Sara“ zu tragen hätten. Am 2. Oktober 1945 war dann zu lesen: „Der Randvermerk vom 16. Januar 1939 gilt als nicht geschrieben.“ Es ist das eine, wenn man im Geschichtsunterricht lernt, dass die jüdischen Männer den Namen Israel und die Fragen den Namen Sara tragen mussten. Es ist etwas anderes, wenn man damit konkrete Menschen verbindet, denen das angetan wurde.

Eine Führung durch das Stadtgeschichtliche Museums von Herrn Kniesz beendete diesen schönen Besuch im Rathaus.

Es war ein voller Tag mit vielen eindrücklichen und bewegenden Momenten für Susan und Maggie, für unsere Schülergruppe genauso wie für die Menschen, mit denen wir zusammentrafen.  Das Wetter tat ein übriges. Und heute waren wir dann auch sehr froh, dass Clare Lewis so toll für uns übersetzte.

Life belongs to the Living - Präsentation der Ergebnisse

 Sonntag, 17.Mai 2015

 

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Montag, 18.Mai 2015

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Dienstag, 19.Mai 2015

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Die Präsentation des Films - Höhepunkt des Projekts

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weitere Bilder hier

7.Juli 2015 

Der Bürgermeister der Stadt Waren, Herr Möller, hatte uns beim Projektabschluss am 19. Mai versprochen, uns noch einmal die Möglichkeit zu geben, unser Projekt den Schulen und einer allgemeinen Öffentlichkeit vorzustellen. Am 7. Juli war es soweit: Wir zeigten ab 9:30 Uhr die Ausstellung im Foyer des Bürgersaals, und in zwei Veranstaltungen – 10 Uhr für die Schulen und 18 Uhr für alle interessierten Menschen - informierten wir über unser Projekt und zeigten den Film GERDAS GEHEIMNIS.

Wir hatten uns für das Vorprogramm ein Anspiel überlegt: Ausgangspunkt unseres Projektes war ja das Geburtstagsbild: Gerda Löwenberg feiert mit  jüdischen und nichtjüdischen Kindern am 20. Juli 1930 in Waren ihren 8. Geburtstag. Eigentlich etwas ganz Alltägliches. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass 15 Jahre später 5 Kinder (und der Fotograf) nicht mehr am Leben wären. Wir stellten diese Geburtstagsszene nach, Herr Nowak spielte den Fotografen, der dieses Geburtstagsbild macht. Dann erstarren alle. Der Fotograf – 1930 Gerdas Vater Max Löwenberg – zieht sich eine schwarze Jacke an und verlässt schweigend die Bühne. Ihm folgen 5 weitere Kinder in gleicher Weise. Es bleiben die 6 Überlebenden zurück… - diejenigen, denen wir unsere Ausstellung gewidmet haben, als Hauptperson Gerda Löwenberg, die Hauptperson unseres Films und gesamten Projektes.

Das Feedback der Besucherinnen und Besucher war durchweg positiv. Die Einträge im Gästebuch der Ausstellung und viele Komplimente, die wir bekamen, zeugen davon. Und am meisten freuten wir uns, dass die Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen unseres Gymnasiums und der Warener Regionalschulen so konzentriert dem Geschehen folgten, dass man eine Stecknadel im Bürgersaal hätte fallen hören können. Aber dass auch Schüler älterer Klassen aus freien Stücken gekommen sind, Eltern und Großeltern, auch Menschen, die schon am 19. Mai dabei gewesen waren, und zahlreiche andere Menschen aus Waren, aber auch aus anderen Städten, u. a. Berlin.

Susans Reaktion auf unsere Präsentation (e-mail):

I congratulate you on another successful presentation! You have contributed so much to the students and the community by telling the story of the Lowenbergs. This will help more and more people realize that silence and secrets have no place in a just society. Your dedication to this project is amazing and inspiring.

Best wishes,

Susan

Nurit und Moshe schrieben aus Tel Aviv (e-mail):

Thank you for informing us about the process which is going on. I am impressed and happy at the same time. Impressed because it has such an impact, and happy that people take part of the knowledge about what happened.

Nurit and Moshe, Israel.

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